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Stefan Dollenmeier
Stefan Dollenmeier
Persönliche Webseite

Ja zur Mundart im Kindergarten

Warum die EDU die Initiative "Ja zur Mundart im Kindergarten" unterstützt, erklärte ich kürzlich im Kantonsrat.

         

Es geht uns nicht darum, das Hochdeutsch gegen die Mundart auszuspielen oder umgekehrt. Ich denke, Sie haben sogar recht, dass Kinder der 1.Klasse besser Hochdeutsch sprechen, wenn sie es schon im Kindergarten gesprochen haben. Erst später zeigt sich, dass Kinder mit guten Mundartkenntnissen besser Hochdeutsch und besonders die anderen Fremdsprachen lernen.

Aber es geht uns um etwas viel Wichtigeres: Um unsere Identität und die Integration fremdsprachiger Kinder hier bei uns. Wir sind also nicht Ewiggestrige, wie das Frau Rusca Speck gesagt hat. Die Mundart hat einen sehr integrierenden Effekt. Ich mache in der Schule folgende Beobachtung: Es ist den Kindern egal, ob eines von ihnen gelb oder braun oder schwarz ist: Wenn es Mundart spricht, gehört es dazu. Ein anderes kann aussehen wie ein Durchschnittsschweizer (was ist das überhaupt?), aber wenn es hochdeutsch spricht, mit oder ohne Akzent, dann wirkt es fremd und gehört (noch nicht) dazu.

Die Sprache auf dem Pausenplatz ist – wenigstens mehrheitlich – noch Mundart; auch in der Badi, beim Einkaufen, am Skilift oder am Kinderfest. Nur wer die Mundart wenigstens versteht, kann mitreden, in der Gemeinschaft mitwirken, unsere Kultur und unser Denken verstehen. Und das ist die Voraussetzung, dass Integration organisch wachsen und gelingen kann.

Aber diese Mundart muss man pflegen, ja sogar fördern. Es reicht nicht, wenn nur auf dem Pausenplatz Mundart vermischt mit zig Sprachen gesprochen wird zu den paar wenigen Themen, die dort aktuell sind. Die Alltagssprache der Kindergartenkinder soll eine gepflegte Mundart sein. Die Lehrperson soll Geschichten auf Mundart erzählen dürfen; Lieder und Verse, Spiele und Traditionen spiegeln die Kultur der Urbevölkerung und werden bewusst in der Sprache der Heimat wiedergegeben. Es ist fast wie im Kanton Graubünden, nur nicht ganz so ausgeprägt: Dort fördert man die Sprache der Heimat, das Grischun, ja auch gezielt und bewusst, damit es nicht verarmt und schliesslich ganz ausstirbt.

Die Initiative verlangt ja nicht ausschliesslich Mundart, sondern nur „grundsätzlich“. Dieselbe Formulierung hat man in der Primarschule, nur umgekehrt. Dort spricht man grundsätzlich hochdeutsch bzw. Standartsprache. Es ist der Lehrperson aber erlaubt, in gewissen Fällen auch Mundart zu sprechen. Im Lehrplan wird sogar verlangt, die Mundart zu pflegen und zu fördern. Dasselbe wäre auch im Kindergarten mit dem Hochdeutsch möglich bzw. so gedacht.

Sagen Sie Ja zur Mundartinitiative! Den heimischen Kindern, aber auch den zugewanderten zuliebe. Für eine Integration, die den Namen auch wirklich verdient. Ich danke Ihnen!

Zürich, 6.12.10                                                           Stefan Dollenmeier

   

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