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Treu’ und Glauben – Werte von gestern?

Gedanken zu Treu und Glauben anlässlich des Valentintages (erschienen am 17. Februar 2010 im Zürcher Oberländer)

Letzten Sonntag wurde landauf landab der Valentinstag begangen: Der Tag der Liebe, der Freundschaft und der Treue. Mit Blumen, Pralinen und anderen Aufmerksamkeiten beschenkte man seinen Partner und bekundete damit „unsterbliche“ Liebe und „ewige“ Treue.

Doch wie weit her ist es mit dieser Treue? Ist das Treueversprechen wirklich ernst gemeint? Sind wir überhaupt (noch) in der Lage, einem Menschen ein Leben lang treu zu bleiben?

Treulosigkeit als Zeiterscheinung?

Wenn man die hohen Scheidungsraten, die unzähligen zerbrochenen Beziehungen und die Scharen von Alleinerziehenden betrachtet, hat man bald den Eindruck, lebenslängliche Treue gebe es nicht mehr, oder zumindest immer weniger. Dabei ist gerade die Treue eine der wichtigsten Voraussetzungen in einer Beziehung. Ohne Treue können wahre Liebe und echte Freundschaft nicht bestehen.

 

Treue als Willensentscheid

Immer wieder hört man Leute sagen: „Ich kann nicht treu sein.“ Aber eigentlich sollten sie eher sagen: „Ich versuche gar nicht, treu zu sein.“ Gemäss Duden ist „Treue eine beständige Gesinnung, die an einmal eingegangenen Verpflichtungen festhält“. Treue ist also kein Gefühl, auch keine Charaktereigenschaft, sondern ein willentlicher Entschluss, zu seinen Versprechen zu stehen.

 

Voraussetzung für Vertrauen

Ich wünsche mir, dass Paare diesen Entschluss, einander Treue zu halten, wieder vermehrt fassen. Mit der Treue wächst auch das Vertrauen, ohne das eine Beziehung keinen Bestand hat. Nur wer sich darauf verlassen kann, dass sein Partner nicht fremdgeht, und selber bereit ist, treu zu leben, kann auf eine feste, immer intensivere Beziehung bauen.

 

Geborgenheit für Kinder

Auch Kinder brauchen eine Atmosphäre von Stabilität und Halt. Das vertrauensvolle Miteinander der Eltern vermittelt ihnen Geborgenheit und Sicherheit. Dieses „Urvertrauen“ lässt sie optimistisch und lebensfroh heranwachsen, was ihnen auch in schwierigeren Zeiten, in Pubertät und Berufswahl, Kraft und Zuversicht und einen sicheren Boden unter den Füssen gibt.

 

Treue auch im Beruf

Ob man’s wahr haben will oder nicht: Treue ist auch für das Berufsleben eine wichtige Voraussetzung. Wer während der Arbeitszeit im Internet surft, zusätzliche Kaffee- oder Rauchpausen einschaltet, private Anrufe tätigt, Kleinmaterial veruntreut und zu früh den Arbeitsplatz verlässt, kann nicht davon ausgehen, dass der Chef ihm vertraut. Nur wer seine Arbeit treu und zuverlässig verrichtet, kann damit rechnen, geschätzt, anerkannt oder gar befördert zu werden. „Wer im Geringen treu ist, den kann man über Grosses setzen.“

 

Und wie steht’s mit der Steuererklärung?

Momentan stehen in allen Haushaltungen wieder die Steuererklärungen an. Auch hier ist Treue gefragt! Gebe ich alle Einkünfte an? Ist das Vermögen richtig deklariert? Mache ich nur berechtigte Abzüge geltend? Klar, dass selten jemand gerne Steuern bezahlt! Aber der Staat kann seine Aufgaben ohne die ihm zustehenden Finanzen nicht erfüllen, heute weniger denn je. Suche ich da den eigenen Vorteil, oder bin ich bereit, „dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist“?


Vertrauenswürdige Politiker?

Auch wieder aktuell: Von Plakaten herunter, in teuren Inseraten und in Hochglanzprospekten versprechen Politiker aller Couleur dem Wähler „das Blaue vom Himmel herunter“. Werden sie es auch in die Tat umsetzen? Oder geht es nur darum, Stimmen zu fangen? Nur, wer seine Wahlversprechen einlöst, geniesst das Vertrauen seiner Wähler. Rührt wohl die grassierende Politikverdrossenheit nicht auch daher, dass das Vertrauen in die Politik markant am Schwinden ist?

 

Opfer oder Täter?

Die Querelen um das Bankgeheimnis, die unser Land zurzeit erschüttern, lassen viele Schweizer fassungslos auf das „böse Ausland“ starren. Doch wer ist eigentlich Schuld? Verwechseln wir nicht Ursache und Wirkung? Haben nicht geldgierige hiesige Banker mit höchst unlauteren Mitteln reichen Ausländern geholfen, Geld am Fiskus ihres Landes vorbei auf Schweizer Geldinstitute zu schleusen? Ist das Vertrauen in die Schweiz nicht zu Recht erschüttert?

 

Umdenken gefragt!

Aus all dem schliesse ich, dass Treu und Glauben auch heute noch ihre Berechtigung haben. Es ist dringend nötig, sich wieder auf diese Werte zurückzubesinnen. Nicht das kurzlebige Vergnügen, die steile Karriere oder das verlockende Geld dürfen unser Leben prägen. Wir müssen wieder lernen, treu zu sein, auch wenn das auf den ersten Blick zu einem scheinbaren Nachteil führt.

Nur mit Treue kann Vertrauen aufgebaut werden. Nur mit diesen altbewährten Werten können unsere Partnerschaft und unsere Arbeit gelingen. Nur so können Politiker und der Finanzplatz das verlorene Vertrauen zurückgewinnen. – Treue ist ein Willensentscheid! Fassen wir ihn wieder neu, zum Wohle aller!







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