Mobilität unter Druck
Essen, Trinken, Schlafen und Witterungsschutz gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Aber der Mensch braucht noch viel mehr – z.B. Gemeinschaft und möglichst uneingeschränkte Mobilität. Diese gerät aber zunehmend unter Druck, zumindest wenn es nach den Plänen derer geht, die um des «Klimaschutzes» willen Dinge wie «15-Minuten-Städte» einrichten wollen.
Dr. med. Karin Hirschi, Redaktion «Standpunkt»
Mobilität unter Druck Velofahren mit Gegenwind
Die Organisation Pro Velo¹ machte kürzlich darauf aufmerksam, wie viel Unvorteilhaftes für den Veloverkehr gegenwärtig in Bund und Parlament diskutiert werde, u.a. die Velovignette für sämtliche Velos, Registrierungspflicht für Lastenvelos, Steuer auf Elektrovelos, Ausbildungspflicht für Velofahrer, Beschränkungen beim Kindertransport… Ich erkenne hinter solchen Vorschlägen vor allem etwas: einen Kontrollwahn. Ausgerechnet das Velofahren soll erschwert werden. Geht es am Ende gar nicht um Umweltschutz? Aber worum denn sonst?
E-Autos in rosarot
Vor gut einem Jahr fragte ich bei den Industriellen Werken Basel (iwb) nach, wie weit ein batteriebetriebenes Fahrzeug nach physikalischen Gesetzen noch Sinn mache, wenn es schwerer ist als ein E-Bike. Denn mehr Gewicht zu bewegen, verbraucht mehr Strom und die immer schwerere Batterie muss mit bewegt werden; das frisst einen Teil der Energie wieder weg. So entsteht ein immer krasseres Missverhältnis von Einsatz und Ertrag, je schwerer das Gefährt ist (z.B. ein Elektrobus). Wenn man schon beim E-Bike Gewicht sparen muss, damit die Reichweite nicht zu sehr leidet, was kommt dann erst dabei heraus, wenn man einige Tonnen Last per Batteriestrom bewegt? Leider kam von den iwb nie eine erklärende Antwort.
Dafür wurden nun im März-Magazin der iwb² die Vorteile der Elektroautos gepriesen. Die dazu verwendete «Logik» war mehr als abenteuerlich. Man brauche keine Angst zu haben, wegen leerer Batterie stehenzubleiben: «Wer zu Hause laden kann, fährt ohnehin immer voll geladen los. Welches Dieselauto hat schon jeden Morgen einen vollen Tank?» Ich sass zunächst rätselnd vor dem Satz und fragte mich, was hier nicht stimmt. Das Erste: Tut es der Batterie wirklich gut, wenn man sie täglich (vgl. das «jeden Morgen» im obigen Satz) voll auflädt? Das Zweite: Welchen Vorteil hätte es für mich, wenn der Tank meines Dieselautos «jeden Morgen» voll wäre? Keinen. Denn nicht einmal bei Auslandfahrten fülle ich den Tank vorab – man kann ja unterwegs tanken, in wenigen Minuten, und ein Tank reicht mir für fast 1’000 km.
Ebenso wenig konnte ich der Logik des Autors in der folgenden Passage folgen: «Eine Batterie für ein Auto mit 500 km Reichweite kann heute bis zu 3’000-mal geladen werden. Das ergibt insgesamt 1,5 Millionen Kilometer. So lange hält kein Auto.» Also wie war das gleich? Täglich mit einer voll geladenen Batterie losfahren, damit man sicher nicht steckenbleibt? Dann wären die 3’000 Ladezyklen aber in weniger als zehn Jahren aufgebraucht und das Auto würde die Batterie überdauern, nicht umgekehrt. Also entweder – oder! Entweder den Luxus haben, jedes Mal beim Starten eine volle Batterie zu haben und die 3’000 Zyklen bald zu «verbrauchen» oder aber mit jeder Ladung 500 km zu fahren und im schlimmsten Fall mal stehenbleiben. Aber beides zusammen geht nicht!
Kommt hinzu, dass jede Batterie jedes Jahr ungefähr 10 % Leistung (Reichweite) einbüsst; das wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Nach zehn Jahren ist die Reichweite nur noch etwa 200 km, nach fünfzehn Jahren gerade noch etwa 120 km…
Bleibt die Frage, was uns mit solchen Artikeln suggeriert werden soll. Kommt die offensichtliche Denk-Fehlleistung wie in diesem Artikel aus einer Gedankenlosigkeit
oder ist sie Absicht?
«Mobilitätswende» ungeschminkt
Eine Antwort darauf folgte postwendend im iwb-Magazin: der nächste Artikel war nämlich ein Interview mit Dr. Anne Greinus³ zur «Mobilitätswende». Es ging u.a. darum, wie man die Menschen dazu bringe, ihre Mobilitätsgewohnheiten zu ändern. Ich zitiere ausschnittweise: «Ein Weg, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen, sind gezielte Anreize.» «Braucht es auch Verbote?» «Ja, denn Anreize sind begrenzt wirksam. Die Corona-Pandemie hat eindeutig gezeigt: Eine fundamentale Verhaltensänderung braucht einen gewissen Zwang, in dieser Hinsicht braucht es wohl einen Mix aus Anreizen und Verboten.» Selten wird uns so offen gesagt, mit was für Mitteln die «Klimaziele» erreicht werden sollen!
Und es zeigt, dass wir das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Sonst sind unsere Grundrechte in Gefahr, ein weiteres Mal.
Quellen:
¹ Pro Velo Magazin, Frühling 2026, print edition
² E² März 2026, print edition, Redact Kommunikation AG, Glattbrugg
³ Dr. Anne Greinus war u.a. für das Bundesamt(!) für Verkehr tätig

