«Darf ich das noch sagen?»
Zwei Gerichtsurteile in Europa sorgen derzeit für Diskussionen. Zahlreiche Christen fragen sich: Darf ich meine Überzeugungen aus der Bibel noch öffentlich aussprechen – besonders zu Ehe und Sexualethik? Die Urteile zeigen, dass Spannungen zunehmen. Zugleich machen sie deutlich, dass wichtige Freiheiten weiterhin bestehen.
Peter Schneeberger, Präsident Dachverband Freikirchen und christliche Gemeinschaften Schweiz
In Malta wurde der Aktivist Matthew Grech vom Vorwurf freigesprochen, für sogenannte Konversionspraktiken geworben zu haben. Anders erging es der finnischen Politikerin Päivi Räsänen am 26. März 2026 vor dem Obersten Gericht in Finnland. Sie wurde für eine queer-kritische Aussage verurteilt, nachdem sie zuvor in zwei Instanzen freigesprochen worden war. Verurteilt wurde sie, weil sie eine Lebensführung als Störung bezeichnet hat.
Der Rechtsstreit um Räsänen begann, nachdem sie 2019 einen Bibelvers in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Auch wenn sie für diesen Post freigesprochen wurde, hat der Fall viele Christen verunsichert: Wie frei kann ich heute noch öffentlich Stellung beziehen? Gerade weil Aussagen oder Predigten in sozialen Medien blitzschnell geteilt, kommentiert und aus dem Zusammenhang gerissen werden, wächst die Unsicherheit. Manche beginnen, sich selbst zu zensieren.
Was weiterhin gilt
Die Kirche war nie dazu berufen, dem Zeitgeist zu folgen, sondern Christus. Die Meinungsfreiheit schützt auch Überzeugungen, die gesellschaftlich umstritten sind – so auch die biblische Überzeugung, dass Gott die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau geschaffen hat. Christen dürfen ethischmoralische Orientierung aus Gottes Wort lehren, auch dann, wenn dies nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Gleichzeitig gibt es rechtliche Grenzen. In der Schweiz verbietet Artikel 261bis StGB, Menschen öffentlich wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung zu diskriminieren oder herabzusetzen.
Warum viele Christen verunsichert sind Solche öffentlichen Gerichtsverfahren haben eine abschreckende Wirkung auf die freie Rede. Die Unsicherheit wächst: Was darf ich noch posten oder öffentlich aussprechen? Welcher Kommentar, welcher Bibelvers, welche Meinung könnte rechtliche Folgen haben? Soziale Medien verstärken dieses Risiko – ein einziger Post kann viral gehen, falsch verstanden oder gezielt gegen den Verfasser verwendet werden.
Fünf Gedanken für dein öffentliches Leben als Christ
- Verkündige das ganze Evangelium. Ehe, Sexualität, Nachfolge, Heiligung – all das gehört zur Lehre der Kirche. Lass dich nicht lähmen. Verbinde Klarheit mit Weisheit.
- Sprich die Wahrheit in Liebe. Menschen sollen spüren: Wir wollen sie gewinnen, nicht verurteilen.
- Unterscheide zwischen Lehre und Angriff. Klar lehren, respektvoll bleiben. Orientierung geben, ohne die Würde des Menschen in Frage zu stellen.
- Sei bedacht im öffentlichen Raum und in sozialen Medien. Aussagen werden schnell aus dem Zusammenhang gerissen.
- Bleibt eine Kirche für alle Menschen. Jesus hat Menschen in die Gemeinschaft eingeladen – auch solche, die mit seinem Anspruch noch gerungen haben.
Fazit
Gerade jetzt braucht unsere Gesellschaft Christen, die klar glauben, respektvoll reden und verantwortungsvoll handeln. Menschen suchen Orientierung – nicht nur Meinungen. Die Frei- und Landeskirchen haben hier etwas beizutragen. Darum der Aufruf: Verkündige das Evangelium klar und liebevoll. Lass dich nicht einschüchtern. Und bleibe Teil einer Kirche, die Menschen einlädt, Jesus kennenzulernen. Denn unsere Aufgabe bleibt dieselbe – auch in herausfordernden Zeiten.
Abschnitt für Alle
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Dieser Text ist eine redaktionell gekürzte Fassung des Originalartikels von Peter Schneeberger, erschienen auf Livenet.ch. Den vollständigen Artikel finden Sie hier:

